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Der Glanz und Absturz der Klappscheinwerfer

Unter dem Klappscheinwerfer, die umgangssprachlich auch Schlafaugen, die im Englischen „hidden headlamp“ oder „pop-up headlamp“ genannt sind, versteht man ein Scheinwerferdesign, die im ausgeschalteten Zustand mit der Fahrzeugkarosserie verschmilzt. Grundsätzlich lassen sich diese Scheinwerfer nach dem Bewegungsprinzip in zwei Hauptgruppen einteilen. Zur ersten Gruppe gehören in die Fahrzeugkarosserie eingebaute Leuchten, die im ausgeschalteten Zustand versenkt oder verdeckt sind, während zur zweiten Gruppe Scheinwerfer gehören, die sich in einer festen Position befinden und durch eine Art verdeckt sind, hinter eine bewegliche Abdeckplatte. Die erste Variation war die häufigste. Ihr Einsatz diente zunächst einem gestalterischen Zweck, denn der Klappscheinwerfer verlieh dem Pkw ein besonderes Erscheinungsbild. Später spielten andere vorteilhafte Eigenschaften eine wichtige Rolle bei ihrer Verbreitung.



Warum waren diese Scheinwerfer so beliebt?

Die zur ersten Gruppe gehörenden Scheinwerfer mit in die Karosserie eingebauten Klappscheinwerfern sorgten für ein besonderes Erscheinungsbild, ähnlich dem menschlichen Auge. Da in der Geschichte des Automobilbaus nur wenige Modelle mit einer solchen Lösung ausgestattet waren, galten sie zunächst als Kuriosität, dann einfach als etwas Besonderes und stellten ein beliebtes Stilmerkmal dar.


Warum wurden in Sportwagen die Klappscheinwerfer eingebaut?

Neben dem Design hatte die versenkbare Konstruktion auch einen erheblichen konstruktiven Vorteil. Die in die Karosserie eingebaute und so verdeckte Scheinwerfer führten zu einem geringeren Luftwiderstand, daher wirkten sie sich positiv auf die aerodynamischen Eigenschaften der Fahrzeuge im versenkten Zustand aus. Daher wurde diese Art von Lampen vor allem in Sportwagen eingesetzt, bei denen das stromlinienförmige Design besonders wichtig war. Diesen Vorteil wollte Porsche bei seinem Modell 928 nutzen, dessen Scheinwerfer nicht versteckt, sondern nur versenkt waren, beim Einschalten aus der Fahrzeuglinie herausgehoben werden konnten. Damals auf der ganzen Welt war diese Art von Scheinwerfern in vielen Sportwagen zu finden, sowohl auf dem amerikanischen, europäischen als auch auf dem japanischen Markt, bis sie 2004 eingestellt wurden. Neben Sportwagen waren sie jedoch auch in mehreren traditionellen Standard Modellen zu finden, vor allem in Japan, Zum Beispiel im Honda Accord. Der Grund dafür liegt unter anderem darin, dass sie nur auf diese Weise den restriktiven Vorschriften im strategisch wichtigen amerikanischen Markt nachkommen konnten.


Welches Auto war das erste, die Klappscheinwerfer verwendete?

Das erste versteckte Scheinwerferdesign wurde überraschend früh, 1936, im Modell 810 des amerikanischen Automobilherstellers Cord eingesetzt. Die Lampen befanden sich in den vorderen Kotflügeln des Fahrzeugs und passten sich bei ausgeschalteten Scheinwerfern perfekt der Form der Karosserie an. Beim Einschalten konnte der Fahrer des Fahrzeugs die Beleuchtung noch nicht mit Hilfe eines elektronischen Systems anheben, sondern mechanisch, mit Hilfe von am Armaturenbrett angebrachten Kurbeln.


Die Konstrukteure probierten für kurze Zeit verschiedene Entwicklungen aus, etwa die elektrische Steuerung, konnten aber abgesehen von der konzeptionellen Umsetzung bis auf eine Ausnahme keinen nennenswerten Erfolg vorweisen. Diese Ausnahme bildete der amerikanische DeSoto Modell von 1942, in dessen Massenproduktion große Hoffnungen gesetzt wurden. Der Aufbau der Scheinwerfer war relativ einfach: Sie bestand aus einem feststehenden Lampe und einer elektronisch gesteuerten Abdeckung. Allerdings gingen mit dem neuartigen futuristischen Design keine weiteren vorteilhaften Funktionen, wie etwa die Aerodynamik, einher. Danach ruhte die Technologie bis in die 1960er Jahre und kehrte 1962 im Lotus Elan und der fünften Serie der Chevrolet Corvette von 1963 zurück.


Die Glanzzeit der Klappscheinwerfer

Dank der Suche nach Design-Innovationen amerikanischer Automobilhersteller begann der eigentliche Boom Ende der sechziger Jahre, erreichte in den siebziger und achtziger Jahren seinen Höhepunkt und dauerte bis in die frühen neunziger Jahre. Warum bevorzugten Autodesigner diese Lösung? Viele Restriktionen der amerikanischen Automobilnormen legten auch die vorgeschriebene Höhe der Scheinwerfer fest, die mit dieser Lösung bereits bei tiefsitzenden Sportwagen eingehalten werden konnte. Danach verwendeten auch viele berühmte Modelle der europäischen und japanischen Automobilindustrie die stilvollen Klappscheinwerfer, sowohl im Zwei- als auch im Vier-Scheinwerfer-Design. Ikonische Modelle mit Klappscheinwerfern: Ferrari F40, BMW 840 Ci oder das Modell, das damals auf Rallye-Strecken dauerhaft Erfolge feierte, der Lancia Stratos.


Warum bauen Autohersteller keine Fahrzeuge mehr mit solchen Scheinwerfern?

Von da an folgte ein allmählich zunehmender Rückgang, bis es in den heutigen modernen Fahrzeugen völlig verschwunden ist. Der Grund dafür ist auf das Zusammenwirken vieler Faktoren zurückzuführen. Das vielleicht wichtigste davon war die 2004 eingeführte strenge internationale ECE-Kfz-Sicherheitsverordnung, die den Schutz von Fußgängern vorsieht. Aus der Karosserie herausragende Scheinwerfer in geöffnetem Zustand sind bei einem Zusammenstoß mit einem Fußgänger deutlich gefährlicher, da sie schwere Verletzungen verursachen können. Die Technologie hätte diese Anforderung nur schwer erfüllen können, allerdings um den Preis einer äußerst kostspieligen baulichen Neugestaltung. Andererseits erforderte der komplizierte Betätigungsmechanismus eine robuste Konstruktion, was den Einsatz sehr teuer machte.


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